Die Ausstellung Early Years, die letzten Januar im KW Institute of Contemporary Art in Berlin eröffnete führt uns nach Polen, wo man derzeit die Blüte der zeitgenössischen Kunst und die Geburt von Museen und anderen Kulturinstitutionen erleben kann.

Zeitgenössische Kunst steckt schon seit Jahrzehnten in einer existenziellen Krise. Den teils populistischen Vorwurf, den sich die zeitgenössische Kunst gefallen lassen muss, wertet sie als elitäre Praxis ab, die viel zu komplex ist und die zudem auch ihre soziale Relevanz verloren hat. Folglich, so schlussfolgert die Kritik, hat zeitgenössische Kunst zusehends an Bedeutung verloren. Aber auch die Kulturinstitutionen, wie beispielsweise Museen, müssen sich seit den 60er Jahren der Kritik ihrer Politiken und Praxen stellen, und auch die Infragestellung der Macht, die sie auf sozialer und kultureller Ebene ausüben, über sich ergehen lassen.
Dieser Tendenz zum trotz, sieht die Kulturlandschaft in Polen total anders aus. Zeitgenössische Kunst sieht sich hier einer ganz offen und zugänglich Atmosphäre gegenübergestellt, in der immer mehr neue Kulturinstitutionen -seien es private oder öffentliche- einem kulturhungrigem Publikum ihre Türen öffnen. Bald wird sich diese Tendenz mit dem Bau eines Museums für zeitgenössische Kunst (Museum of Modern Art in Varsovia) in der polnischen Hauptstadt besiegeln.
Die Ausstellung im KW Institute of Contemporary Art in Berlin wandert auf den Wegen der Selbstreflexion eines jungen Museums, das sich nicht nur dem Konflikt, den die zeitgenössische Kunst derzeit durchlebt, sondern auch der Institutionskritik, und schließlich und letztendlich auch der Finanzkrise stellen muss, die das Feld der Kultur geradezu im gleichen Ausmaß getroffen hat wie die Firmenwelt. Es stehen schwierige Zeiten an, nichts desto trotz, gibt Polen ein Beispiel dafür ab, dass Kunst und Museen immer noch gedeihen können, und dass dies eine Frage der Neudefinierung und der Sensibilität gegenüber den Veränderungen und Unsicherheiten der Gegenwart sein muss.
Die jungen Jahre (Early Years) eines Künstlers beschreiben diesen magischen Augenblick, mit dem jede künstlerische Karriere beginnt, und in dem sich die Naivität und die Angst vor dem Ungewissen mit der fruchtbaren Kreativität der ersten künstlerischen Experimente vereinigen. Die Ausstellung macht den Versuch deutlich, die aktuellen Geschehnisse in Polen und die Geburt eines Museums aus eben dieser Perspektive der jungen Jahre, diesem Moment der Courage, zu betrachten, und die Identität der jungen Institution in Zusammenarbeit mit polnischen Künstlern mitzukonstruieren. Unter ihnen befinden sich Wojciech Bąkowski, Yael Bartana, Tania Bruguera, Oskar Dawicki und Daniel Knorr.
Wir können uns auf eine erfrischende Ausstellung gefasst machen, die neue hoffnungsvolle Ausblicke für die Zukunft der Kunst und der Museen zeichnet. Weil wir in diesen Zeiten optimistische und konstruktive Visionen brauchen, miete bis zum 2. Mai Appartements in Berlin und werde Zeuge der neuen Winde, die durch die Kulturwelt wehen.






